Startup Standort Osnabrück – Bugbell Gründerin Jamina Zaugg im Interview

Autorin: Anja Niehoff

Ich finde, die Gründerin kann das immer am besten – Beschreib doch bitte einmal kurz, was ihr macht! Wer oder was ist Bugbell?

Wir machen ganz klassisch Hundefutter, aber auf Basis von Insekten. Das ist jetzt 2018 erlaubt worden. Mir kam die Idee, weil ich meinen Hund selbst nach einem Insekt habe schnappen sehen und wir gerade in der Uni behandelt haben, dass Insekten bald als neue Proteinquelle erlaubt werden. Ungefähr im August letzten Jahres habe ich damit angefangen, die Idee zu verwirklichen, indem ich ein wenig mit der Uni zusammengearbeitet habe und mit Reinhard Hoffmann vom Gründungsservice Osnabrück. Insekten sind als Proteinquelle sehr gesund. Sie bringen viele Aminosäuren, viele Proteine mit sich und haben außerdem den Vorteil der Nachhaltigkeit. Die ja in unserer Zeit eine immer größere Rolle spielt. Auf diesem Weg können wir Nachhaltigkeit auch in der Ernährungsweise unserer Haustiere umsetzen.

Im letzten Jahr hast du dich mit Bugbell auf den Campus Award beworben und den zweiten Platz belegt. Wie ging es danach weiter?

Rückblickend würde ich sagen, dass, wenn ich den zweiten Platz nicht bekommen hätte, Bugbell so nicht entstanden wäre. Nach der innovate! im letzten Jahr hatte ich ein Gespräch mit Julia Kümper, die in der Start-Up Szene Osnabrücks und seit kurzem Geschäftsführeirn der VentureVilla Accelerator GmbH ist. Sie kam direkt zu mir und hat mir vom Seedhouse erzählt. Hätte ich damals nichts davon gehört, hätte ich die Idee sogar vielleicht wieder verworfen. Weil die Idee auf den ersten Blick nicht in den IT- und Medienbereich gepasst hat, habe ich es eh schon für Glück gehalten, dass ich überhaupt zu den Awards eingeladen worden bin (lacht).

Und danach hieß es erst einmal abwarten auf das Accelerator-Programm, das dieses Jahr im Juni angefangen ist. In der Zwischenzeit waren wir bei verschiedenen Förderpreisen.

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, warst du damals auf der letzten innovate! noch allein. Wie hast du dein jetziges Team gefunden?

Mein erstes Teammitglied, Marvin, habe ich tatsächlich über die innovate!2017 kennengelernt. Am Abend der Veranstaltung habe ich bei meinem Pitch erwähnt, dass ich noch auf der Suche nach jemandem aus dem Medien- und IT-Bereich bin. Am nächsten Tag hat Marvin sich auf Facebook bei mir gemeldet und gesagt, dass er die Idee sehr spannend findet. Zuerst wollte er nur das Design machen, aber mittlerweile ist er fester Bestandteil des Teams.

Und Arne habe ich sozusagen über Ecken kennengelernt, da er gerne selbst Insekten züchten wollte. Das war eigentlich sein Ziel, aber er hat damals kein Team gefunden. Stattdessen hat er beschlossen, sich uns anzuschließen, als er gehört hat, dass sich noch eine Bekloppte mit Insekten beschäftigen möchte (lacht). Und dann hat er mir tatsächlich auch bei Facebook geschrieben.

Facebook scheint also das Medium zu sein, wenn man neue Teammitglieder finden möchte.

Genau (lacht). Auf diese Weise ist auch Arne Teil des Bugbell-Teams geworden. Und wir wüssten nicht, wie wir noch ohne ihn auskommen sollten.

Jetzt verbinden wir einfach unsere beiden Ideen und planen auf lange Sicht, unsere eigenen Insekten zu züchten. Arne hat einen Mechatroniker-Hintergrund und würde seinen Fokus auf die Automatisierung der Insektenzucht legen, die sich bisher immer noch in den Startlöchern befindet. 

Interessant, also stellt ihr später eure eigenen Rohstoffe her!

Richtig, momentan beziehen wir unsere Insekten noch aus den Niederlanden. Einige wenige Hersteller haben wir jetzt auch in Deutschland gefunden, aber die können uns bisher nicht die Mengen liefern, die wir vorraussichtlich brauchen werden.
Ein weiteres Problem liegt in den Standards für Heimtiere. Bisher ist die Produktion eher auf Nutztiere ausgelegt und unterliegt somit geringeren Standards.

Ihr seid seit einigen Monaten Teil des Accelerator-Programms. Wie gefällt es euch bisher im Seedhouse?

Ich finde, die Idee, die dahintersteckt, super. Man bekommt einen Mentor, der einen begleitet und hat alle 14 Tage ein Feedback-Gespräch. Durch die Meilensteine, die man sich setzt, hat man auch selbst den Druck diese einzuhalten.

Was findest du am Standort Osnabrück reizvoll? Was könnte man noch besser machen?

Die Startup-Szene in Osnabrück finde ich toll! Bei uns im Umkreis sieht es da noch anders aus. Hier wird bereits viel gefördert, besonders einige Einzelpersonen tun sich hier sehr hervor. Man lernt außerdem viele andere Startups kennen.

Ich glaube (überlegt) was helfen könnte, wäre so etwas wie EXIST für Niedersachsen. Es steht bereits einiges an Beratungskapital zur Verfügung, aber es müsste mehr Geld für materielle Sachausgaben geben. Ich würde mir wirklich ein Startup-Zentrum wünschen, das Startups Anlagen und Equipment zur Verfügung stellt. In dem es beispielsweise einen Lebensmittelbereich gibt, mit einem bereits zugelassenen Produktionsraum bis hin zu Anlagen, die ITler brauchen. Ein Zentrum, das sich die Startups teilen könnten und sich nicht jedes Gerät selbst beschaffen müssten. Es wäre wirklich toll, wenn sich das Accelerator-Programm in Zukunft in diese Richtung entwickeln könnte.

Wie sieht euer Plan für die nächsten Monate aus?

Was wir vor allem brauchen ist eine Produktionsstätte. Es gibt viele kleine Unternehmen, die Mischfutter selbst herstellen, aber nur zwei oder drei Tage produzieren. So ähnlich wäre es bei uns auch. Wenn es also hier in der Umgebung jemanden gibt, der beispielsweise auf seinem Bauernhof Mischfutter herstellt und noch Platz zur Untermiete hätte, dann wäre das optimal!