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10 Tipps für einen guten Businessplan

Autorin: Anja Niehoff

Der Businessplan ist ein MUSS für alle Gründer*innen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, fürchten sich viele davor: Um die gewünschte Finanzierung beantragen zu können, muss ein Businessplan geschrieben werden, der die Bank oder potentielle Investor*innen überzeugt. Im Aufbau ist er für alle Branchen fast identisch: Executive Summary, Produkt- und Geschäftsbeschreibung, Markteinschätzung und Vertriebsmodell, Chancen- und Risikoanalyse, Konkurrenzanalyse, Marketing, Personal- und Finanzplanung. Inhaltlich müssen für eine neue Geschäftsidee die Einzigartigkeit belegt und eine verlässliche Planung aufzeigt werden. Da möchte man nichts falsch machen!

Wie stukturiere ich einen Businessplan?

Um sich bei potenziellen Investor*innen in einem vorteilhaften Licht zu präsentieren, sollte man sich grob an den folgenden Aufbau halten:

1. Executive Summary
2. Geschäftsidee/Modell
3. Gründerprofil/Team
4. Markt- und Wettbewerbsanalyse
5. Marketing und Vertrieb
6. Produkt- und Personalplanung
7. SWOT-Analyse
8. Finanzplanung
9. Anhang

Hier sind unsere Tipps, mit denen ihr eure Gründung perfekt vorbereiten und einen überzeugenden Businessplan schreiben könnt:

10 Tipps für einen guten Businessplan

Tipp 1: Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Bereits Vorfeld eurer Gründung und noch vor dem Schreiben eures Businessplans solltet ihr prüfen, inwieweit ihr alle notwendigen Voraussetzungen für eure Gründung erfüllt: Gibt es bestimmte Nachweise, die ihr vorlegen müsst, wie eine abgelegte Fachkundeprüfung, oder müsst ihr eine Erlaubnis einholen, bspw. zur Gründung eines Maklerbüros? Gibt es private Darlehen in nicht unerheblicher Höhe? Oder vielleicht negative Schufa-Einträge aus der Vergangenheit?

Es ist schön, wenn ich vollkommen von eurer Geschäftsidee überzeugt seid. Denn sollte ihr auch diese noch einmal auf Herz und Nieren prüfen (z.B. mit dem Business Model Canvas). In der Regel werdet ihr hier auf das ein oder andere Problem stoßen. Aber davon solltet ihr euch nicht abschrecken lassen. Im Gegenteil, wir leben nach dem Motto: „Fail fast“. Denn alle Probleme, die ihr jetzt schon entdeckt, könnt ihr bereits ohne große Kosten lösen. Schwierig wird es erst, wenn man erst nach der Gründung plötzlich von der Erkenntnis überrascht wird, dass die im Businessplan beschriebene Geschäftsidee doch nicht funktioniert, es aber für die Umsetzung einer kurzfristigen Alternative oder gar den Rückzug aus der Gründung zu spät ist.

All dies gilt es zu bedenken, bevor ihr euch auf den Weg zur Bank macht.

Tipp 2: Überzeugende Einleitung mit Daten und Fakten

Dieser Tipp gilt nicht nur für den Businessplan, sondern ist universell übertragbar auf alle Texte, die wir schreiben: Die Einleitung / Executive Summary muss ziehen. Gleich zu Beginn entscheidet sich, ob sich mögliche Investor*innen oder Banken weiter mit eurem Projekt beschäftigen. Daher erläutert die wichtigsten Punkte gleich in der Einleitung und fasst euch kurz. Die Kunst liegt darin, das geplante Business auf einer einzigen Seite knapp aber interessant zu beschreiben. Welche Zielgruppe wird angesproche? Wie wollt ihr diese erreichen? Was macht das Produkt einzigartig (USP)? Und welche Konkurrent*innen gibt es bereits am Markt?

Tipp 3: Mit soliden Zahlen überzeugen

Mit der Einleitung haben wir es geschafft die Leserin oder den Leser des Geschäftsplans für unser Projekt zu interessieren. Jetzt kommt es darauf an sie oder ihn auch zu überzeugen. Am Besten gelingt dies mit einer sorgfältigen Marktanalyse, guten Absatzmöglichkeiten und einer daraus resultierenden überdurchschnittlichen Umsatzprognose. Eine gute Finanzplanung mit schnellem positiven Cash-Flow ist die Grundlage für einen soliden Aufbau des Geschäfts und dem erfolgreichen Weg in die Selbständigkeit mit der angestrebten Geschäftsidee.

Businessplan

Solide Zahlen sind essentiell, um Geldgeber*innen zu überzeugen

Die meisten Gründer*innen verfolgen eine Geschäftsidee, um sie zu monetarisieren, also um mit ihr Geld zu verdienen. Genau darum geht es auch Investor*innen – denn letzten Endes verleihen sie Geld oder beteiligen sich am Unternehmen nicht ohne den Blick auf die eigene Rendite. Deshalb solltet ihr euch bei euren Aussagen und Zahlen festlegen – wer zu flexibel ist, hat sein Business nicht gut genug überdacht.

Ja, ich weiß, es ist aufwändig. Trotzdem solltet ihr genau durchdenken, was ihr unbedingt zu Beginn eurer Gründung braucht, um starten zu können. Versucht dabei auch die Preise der einzelnen Positionen wie Investitionen oder Erst-Warenbestand sorgfältig zu recherchieren. Denn: Je genauer ihr die notwendigen Investitionen in eurem Businessplan aufführen könnt, umso besser könnt ihr später wiederum den notwendigen Kapitalbedarf ermitteln. Sollte sich herausstellen, dass euer Darlehen nicht ausreicht, um alle notwendigen Anschaffungen tätigen zu können, ist es schwer bis unmöglich, das fehlende Kapital bei der Bank nachzufordern.

Achtet dabei auch darauf, ausreichend Liquidität in den ersten Monaten nach der Gründung sicherzustellen. In der Regel steigen die Umsätze zu Beginn meist nur langsam, die Kosten dagegen fallen u.U. schon in voller Höhe an. Darüber hinaus kann es einige Zeit dauern, bis der erste Auftrag fertiggestellt ist und die Rechnung bezahlt wurde. Dieser Zeitraum muss finanziell überbrückt werden. Das führt uns auch zum nächsten Tipp.

Tipp 4: Realistische Schätzung der Umsätze

Einerseits wollt ihr zeigen, dass ihr ausreichend große Umsätze erzielen könnt, um die Rentabilität eures Vorhabens nachzuweisen. Gleichzeitig soll die Planung aber unbedingt auch realistisch und nachvollziehbar bleiben. Daher gehört die Umsatzplanung vermutlich zu den schwierigsten Planungen im Businessplan, steht und fällt damit doch das ganze Vorhaben! Als Faustregel gilt hier: Lieber etwas vorsichtiger als allzu optimistisch planen. Denn wenn sich euer Umsatz nicht so entwickelt, wie ihr es eingeplant habt, könnt ihr schnell ein gefährliches Liquiditätsproblem bekommen.

Tipp 5: Nicht zu schnell zu hohe Fixkosten aufbauen

Ist man von seiner Geschäftsidee überzeugt, geht man natürlich davon aus, dass die Umsätze schnell ansteigen werden. Schwierig wird es, wenn dies dann doch nicht passiert. Plötzlich zeigt sich, dass zu viel Material im Lager liegt, das nicht verkauft werden kann, zu viele Mitarbeiter bezahlt werden müssen oder die Räumlichkeiten zu groß oder zu teuer sind. Jetzt droht ein Liquiditätsproblem. Daher ist zu empfehlen, beim Schreiben eines Businessplans auch die Notwendigkeit und Höhe regelmäßig anfallender Fixkosten (Miete, Gehälter u.ä.) sorgfältig zu prüfen.

Tipp 6: Was sind eure Stärken und Schwächen? Wie ergänzen sich Kompetenzen?

Wenn ihr im Team gründet, solltet ihr im Businessplan auch darauf eingehen und deutlich machen, daß euer Team alle notwendigen Kompetenzen besitzt. Es sollten möglichst alle verschiedenen Bereiche der Entwicklung und Steuerung des Unternehmens abgedeckt sein, denn die Motivation der Gründer*innen gilt allgemein als größer als die der Angestellten. Geht selbst auf mögliche Schwächen ein und wie ihr diese durch andere Stärken wieder ausgleichen könnt. Ihr solltet außerdem erläutern, warum euer Konzept (auch von etablierten oder großen Unternehmen) nicht einfach kopiert werden kann.

Tipp 7: Ratschläge und Hilfe

Beartung Businessplan

Nehmt (regionale) Beratungsmöglichkeiten in Anspruch, wenn ihr euch unsicher seid

Bevor ihr euch blindlings hineinstürzt: Schaut euch Muster-Pläne von wirklichen oder imaginären Unternehmungen an. Versucht euch sich in die Lage eine*r Investor*in zu versetzen und bewertet die Geschäftsidee und die Qualität der Businesspläne „aus der Außenperspektive“. Es gibt zahlreiche Businessplan-Vorlagen, die ihr als Basis für eure Kreativität nehmen könnt.

Das Schreiben eines Businessplans ist immer eine Herausforderung, nicht nur beim ersten Mal. Nutzt daher auch gerne die Beratungsangebote z.B. der IHK oder von Gründungsberater*innen, sogenannten Wirtschaftssenioren. Schaut doch mal, ob es bei euch in der Region ein Gründer*innen-Coaching oder einen Businessplan-Workshop gibt. Und holt euch auch Ideen von Familie oder Freun*innen. Auch wenn diese vielleicht nicht so kritisch mit euch ins Gericht gehen, haben sie eine andere Perspektive und entdecken so möglicherweise etwas Neues.

Tipp 8: Für den Fall der Fälle

Wir empfehlen euch mehrere Finanzpläne zu erstellen. Was wäre der schlechteste Fall, was wäre der beste? Welcher Fall tritt am wahrscheinlichsten ein? Durch das Durchspieln der verschiedenen Szenarien, bekommt auch ihr selbst eine bessere Einschätzung zu eurem Vorhaben.

Was ist, wenn…? Was tun bei…? Ihr solltet immer den Ernstfall im Hinterkopf haben, falls beispielsweise eine*r der Mitgründer*innen aussteigen möchte? Setzt bei mehreren Gründer*innen deshalb einen Gesellschaftervertrag auf, der die wesentlichen Dinge regelt. Das beinhaltet auch mögliche Ausstiegsszenarien und die damit zusammenhängenden Konditionen und ggf. Rückzahlungen von Einlagen. Unternehmer*innen, die sich bereits im Businessplan darüber Gedanken machen und diese Dinge auch umsetzen, handeln verantwortlich und kompetent. Auf diese Weise gebt ihr auch euren Geldgeber*innen ein gutes Gefühl und mehr Sicherheit.

Gründer*in

Das Wichtigste ist immer noch eure Persönlichkeit als Gründer*in

Tipp 9: Seid mit dem Herzen dabei

Nur wer sich überdurchschnittlich engagiert, wird irgendwann auch dafür belohnt. Das gilt nicht nur für den Businessplan, sondern für eure gesamte Gründung. Für Investor*innen ist das mitunter einer der wichtigsten Punkte. Sind alle mit Herz und Seele dabei? – oder versucht ihr, auf mehreren Hochzeitengleichzeitig zu tanzen? Neben eurer Kompetenz solltet ihr eben auch zeigen, dass ihr Gründer*innenpersönlichkeit habt. Für den Erfolg gibt es immer mehr als nur einen Weg, wenn man es nur stark genug möchte.

Last but not least – Tipp 10: Gute Vorbereitung des Bankgesprächs

Was tun, wenn der Businessplan schließlich fertig gestellt ist? Hier gibt es es verschiedene Vorgehensweisen: Die meisten Banken möchten den Businessplan vorab als E-Mail, um ihn zu prüfen und dann lediglich (oft als Mail oder in einem Telefonat) noch offene Fragen dazu zu stellen. Andere bitten die Gründer*innen dagegen zu einem Gespräch.

Generell gilt jedoch immer: Stellt eure Geschäftsidee selbstbewusst aber realistisch dar. Bereitet euch auf kritische Nachfragen vor. Ihr solltet z.B. die eingeplante Entwicklung eurer Umsätze oder Gewinne erklären zu können. Dabei solltet ihr möglichst vermitteln, dass ihr euch mit dem „möglichen Problem“ bereits gedanklich beschäftigt habt und versucht, eine Lösung oder Alternative hierfür zu präsentieren. Aber das sollte euch nach dem Befolgen unserer Tipps nun nicht mehr schwer fallen!

Falls ihr auf Nummer sicher gehen möchtet: Bittet eine*n Gründungsberater*in, zusammen mit euch den Businessplan zu prüfen! Die Kosten hierfür halten sich in Grenzen und ihr könnt sicher sein, dass ihr einen tragfähigen und umsetzbaren Businessplan vorliegen habt.